© Theater DAS BAUMANN, Rüdiger Baumann 2017
Die schwarzen Brüder
Autor Sonstiges

Unterstufen-Theater am Caspar-Vischer-Gymnasium, Kulmbach

Frühjahr/Sommer 2015

Theaterarbeit genießt am Caspar-Vischer-Gymnasium einen hohen Stellenwert. Die besondere Qualität der Aufführungen gelingt dank des Einsatzes der Lehrkräfte über ihre Pflicht hinaus. Wahre Theater-Enthusiasten sind Julia Sedlmeier (Latein und kath. Religion) und Andreas Schobert (Kunst). Sie baten mich darum, eine Bühnenfassung des Romans von Lisa Tetzner “Die Schwarzen Brüder” zu erstellen.
Mit “Scrooge” hatte ich schon einmal einen erzählenden Text in eine spielbare Version übersetzt, die auch tatsächlich gut auf der Bühne funktioniert. Also nahm ich diese neue Herausforderung an. Die Geschichte spielt im 19. Jahrhundert. Aus der Not heraus wurden damals Tessiner Kinder an Mailänder Kaminkehrer verkauft, um dort einen harten und oft tödlichen Dienst zu leisten. Ein alles andere als fröhliches Thema also. Der Stoff sollte für das Jugend-Theater aufbereitet werden. Darum stellte ich mir Aufgaben: - Kinder/Jugendliche sollten keine Erwachsenen spielen müssen - Ein knapper Dialog-Text sollte viel Gestaltungsfreiraum geben - Die Regie-Anweisungen sollten nicht zu sehr einengen, sondern inspirieren - Der Text sollte Grundlage sein für eine bildhafte Inszenierung - Bezug zum Heute. Es sollte nicht nur eine Geschichte “von damals” erzählt werden.
Aber Angeletta fragt. Sie ist die todkranke Tochter des Kaminkehrermeisters Rossi, der sich den jungen Giorgio gekauft hatte. Als Giorgio nach einem schweren Unfall für ein paar Tage in ihrer Kammer genesen darf, lässt sie sich von ihm seine Lebensgeschichte erzählen. Giorgios Bericht wird auf der Bühne lebendig.
Das Stück beginnt mit einer allegorischen Figur. Justitia tritt (in mehrfacher Ausgabe) auf. “Die Gerechtigkeit ist blind. Sie ist zufrieden mit einem Stück Papier.” Für Justitia sind Form und Inhalt des Kaufvertrages entscheidend, mit dem Kinder als “Eigentum” an ihre Dienstherren übergehen. Weitere Fragen stellt sie nicht.
Das reduzierte und pointierte Bühnenbild wurde unter der Leitung des Kunst-Lehrers Andreas Schobert entwickelt. Genial fand ich die Idee, über allem verkohlte Kuscheltiere schweben zu lassen als ein Symbol für eine verbrannte (verpasste, verkaufte, geraubte) Jugend. Julia Sedlmeier und Andreas Schobert erlaubten mir nicht nur, an den Proben teilzunehmen, sondern wünschten dies ausdrücklich. Mit Freude war ich dabei, durfte unterstützen, beraten, auch mal szenisch mit den jungen Talenten arbeiten. Das Ganze wurde unterstützt und gefördert von der Schulleitung. Das motiviert ungemein. Vielen Dank, Frau Endres und Herr Fischer! Auf der Bühne wirkten mit: Hannah Bergmann, Chiara Dresel, Nele Göppner, Anna-Lena Grabik, Hanna Groh, Eileen Hempfling, Laurin Hennies, Emma Küfner, Louisa Lauterbach, Lydia Leidhold, Laura Martin, Sarah Meisel, Sarah Neubing, Leonie Piskol, Christina Roth, Emma-Jean Roth, Lotti Weber. Technik: Oliver Ebert, Max Kutzer, Luca Lauterbach, Benedikt Neidhardt Maske: Conny Medved, Joanna Kirschner-Roth, Klaudia Ruminska, Lisa Zahl